Bild Karl-Friedrich Kobow

Karl-Friedrich Kobow (verstorben am 05.08.2013)
sein Vermächtnis setzen wir hier fort

Die letzten Jahre meines Lebens (hoffentlich noch recht viele),
möchte ich mich voll und ganz der Plattdeutschen Sprache widmen.

Als ich mir vor ca. 13 Jahren, also mit 60 die Frage stellte, war das in meinem Leben nun wirklich alles, oder was kann ich eventuell noch für die Nachwelt tun, erinnerte ich mich an meine Muttersprache.
Ich erinnerte mich daran, dass ich noch zu der Generation gehöre, die mit dem breiten ländlichen westmecklenburger Platt aufgewachsen ist und diese Mundart noch perfekt beherrscht.
Wenn meine Generation ausstirbt, stirbt sicher auch ein großer Teil dieser Mundart aus, denn die jüngere Generation hat es von ihren Eltern nur noch bruchstückweise oder gar nicht mehr gelernt.
Letzteres behaupte ich deshalb, weil das in Theater, Rundfunk und Fernsehen gesprochene Platt nur sehr  wenig mit dem breiten ländlichen westmecklenburger Platt zu tun hat.
Zunächst bewarb ich mich an der Volkshochschule in Schwerin als Lektor, wurde auch angenommen und führte einen gemischten Kurs für alle Bevölkerungsschichten durch. Das befriedigte mich jedoch nicht, denn ich wollte etwas mehr in die Breite kommen und mehr Bürger ansprechen. Aus dem Grunde sprach ich beim L.I.S.A. (Landesinstitut für Schule und Ausbildung vor) und erreichte, dass mein Angebot in das Programm der Lehrerweiterbildung aufgenommen wurde.Gleichzeitig sprach ich die Verantwortliche Pädagogin für Kindertagesstätten in Schwerin an, stieß aber hier auf kein besonders großes Interesse. Mehr Erfolg hatte ich, als ich direkt einige Leiterinnen von Kindergärten ansprach, (ehemalige Kolleginnen von meiner Ehefrau) und hier auch auf entsprechendes Interesse stieß.
Weil ich nun die obige Mundart als Fremdsprache lehren wollte, es aber keine Lehrmittel dafür gab, musste ich mir diese alleine herstellen. Als Grundlage diente mir dabei meine pädagogische Qualifikation als Lehrmeister der Landwirtschaft, und die Erfahrung aus meiner eigenen Teilnahme an einem Englischkurs an der Volkshochschule ca. 2 Jahre zuvor. Außerdem bestärkte mich ein Vortrag von Frau Prof. Rösler von der Uni. Rostock auf einer Mitgliederversammlung des Landesheimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern in meinem Vorhaben.
Im gleichen Atemzug wurde ich dann auch Mitglied dieses Verbandes, weil ich annahm, dort auf größeres Interesse für die o.g. Mundart zu stoßen und Gleichgesinnte zu treffen. Beides erwies sich einige Jahre später jedoch als Trugschluss, denn dieser Verband beschäftigte sich überwiegend mit sich selbst, sowie auch noch mit plattdeutschen Schriftstellern und Trachtengruppen. Die Plattdeutsche Sprache war für sie weniger interessant. Als ich dem Verband regelmäßig übermeine Tätigkeiten mündlich als auch schriftlich berichtete, ich hatte zeitweise bis zu 3 Kurse von Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen gleichzeitig laufen, wurde das gar nicht zur Kenntnis genommen.Ich trat deshalb aus diesem Verband schnell wieder aus.

Für den Unterricht besprach ich über ein Diktiergerät mehrere Tonbandkassetten, die zum Nachsprechen der vorhergehenden langsam gesprochenen Halbsätze aufforderte um danach im normalen Temp den ganzen Satz zu wiederholen. Außerdem sprach ich von mir verfasste Dialoge, die ich den ersten Teilnehmern, wie man sagt, auf den Leib geschrieben hatte, ebenfalls auf Kassette. Hierzu setzte ich zwei Frauen mit deren Einverständnis als meine Dialogpartnerinnen ein. Die eine stammte aus Sachsen, sprach aber sehr gut unsere Mundart und die andere war eine ehemalige Mitschülerin von mir. Damit wollte ich auch beweisen, dass jemand aus Sachsen unsere Mundart recht gut lernen und sprechen kann. Es erwies sich im Unterricht als sehr zweckmäßig und für die Teilnehmer ermunternd.
Dass ich noch viele Übungstexte schrieb, insgesamt über 100 Din A 4-Seiten, erübrigt sich wohl zu sagen. Außerdem übersetzte ich zahlreiche Lieder ins mecklenburger Platt, insgesamt wohl auch über die 20, bzw. ich bearbeitete die Texte so, dass sie in o.g. Mundart auch zu singen waren. Die Musik zu den Liedern spielte mir der damalige Leiter des Chores der mecklenburger Sänger ebenfalls auf meine Tonbandkassette.
Im Unterricht habe ich diese Lieder, insgesamt so an die 30, regelmäßig mit den Kursteilnehmern gesungen um so auch etwas zur Pflege des kulturellen Erbes meiner Heimat beizutragen.
Bevor ich damals mit meinem Unterricht begann, hatte ich mir die einzigen Plattdeutschen Wörterbücher, die es für den Sprachraum Mecklenburg-Vorpommern gab, gekauft. Dabei stellte ich leider fest, dass es zu über 90 % um Vorpommern und in einem verschwindend geringen Teil um Mecklenburg ging.
Aus dem Grunde setzte ich mich mit der Verfasserin Frau Prof.Renate Herrmann-Winter aus Greifswald in Verbindung und teilte ihr meine Auffassung dazu mit. Nachdem ich ihr auch meine Lehrunterlagen zur Begutachtung zugesandt hatte, fuhr ich zu einem persönlichen Gespräch zu ihr, um mir endlich eine abschließende Meinung bilden zu können. Dass wir zu keiner einheitlichen Ausfassung kommen konnten, ist wohl leicht erklärlich. Sie war eben aus Vorpommern und ich aus Mecklenburg und vertrete dazu noch die breite Bevölkerungsschicht der Einwohner auf dem Lande.
Erst ein oder zwei Jahre später entwickelte ich nun eine Lautschrift, ähnlich wie im englischen, um das Erlernen der richtigen Aussprache zu erleichtern. Dabei bediente ich mich natürlich auch der russischen Sprache als auch einem polnischen Wörterbuch, um die Formung insbesondere der Vokale zu beschreiben. Es erwies sich als gutes Hilfsmittel.
Gegenwärtig bin ich dabei, die Übungstexte, den Bereich der Grammatik, als auch die vielen Wörter, die sehr vom Hochdeutschen abweichen, Ortsnamen usw. auf CD zu sprechen. Es mögen so etwa 3-5 werden.
Sie könnten dann gut zum selbstständigen Erlernen des breiten ländlichen westmecklenburger Platt dienen.

(Karl-Friedrich Kobow)

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